El Cóndor Pasa – zweite Nationalhymne Perus

Die typische, peruanische Musik ist wahrlich einzigartig und spiegelt die kontrastreiche Geografie, das bunte Völkergemisch und die Vielfalt der Geschichte Perus wieder. Sie durchdringt den gesamten Alltag und alle Altersschichten und ist Teil des Lebens in Peru. Je nach Region und Herkunft variieren auch der Stil sowie die genutzten Instrumente. Die typische Tanzmusik wird als Huaino bezeichnet. Ihr gegenüber stehen die „Yaravi“, ruhigere und oft melancholischere Lieder. Das Bekannteste dieser Art ist „El Cóndor Pasa“.

El Cóndor Pasa ist der wohl bekannteste Song Perus. Es wurde 1913 von Daniel Alomia Robles komponiert und beruht auf dem urheberrechtsfreien peruanischen Volkslied Soy la paloma que el nido perdiò („Bin die Taube, die das Nest verloren hat“) aus dem 18. Jahrhundert. Robes formte das Lied zu einer Zarzuel, einem gesprochenen und gesungenen Theaterstück. Diese Zarzuela bestand aus acht Teilen: Einführung, männlichem Chor, traurige Inkamusik aus den Anden, Duett aus Sopran und Bariton, Romanze, Königstanz, volkstümlicher Marsch und Fürbitte. Julio Baudouin y Paz schrieb das Drehbuch. Die Zarzura ist in Prosa geschrieben und besteht aus einem musikalischen Spiel und zwei Akten. Die Operette handelt von einer Gruppe von Anden-Bergleuten, die von ihrem Chef ausgebeutet werden. Der Kondor, der sie vom Himmel aus betrachtet, wird zum Symbol der Freiheit, die sie erreichen können.Es wurde zum ersten Mal im Mazzi Theater in Lima aufgeführt. Im Jahr 1933 verkaufte Alomia Robles seine Rechte an „El Cóndor Pasa“ an die Edward B. Marks Music Corporation. Und schon bald wurde es auf der ganzen Welt aufgeführt. Seitdem wurde geschätzt, dass auf der ganzen Welt mehr als 4000 Versionen der Melodie produziert wurden mit Künstlern wie Placido Domingo, Celia Cruz, Gigliola Cinquetti, Julie Felix und Marc Anthony unter denen, die es sich durch Cover-Versionen in Konzerten zu Eigen gemacht haben. Im Jahr 2004 wurde  dieses Lied als Teil des nationalen kulturellen Erbes erklärt und es ist heute die zweite Nationalhymne Perus.

In den 1960er Jahren wurden Anden-Bands in Europa sehr populär. Als der amerikanische Musiker Paul Simon eine Version der Melodie der Band Los Incas 1965 in einer Aufführung in Paris hört, war er total begeistert. Er lernte die Melodie und fügte ihr eigene Texte hinzu. Zusammen mit Los Incas, Fred Carter (Gitarre), Larry Knechtel (Keyboards), Joe Osborn (Bass) und Hal Blaine (Schlagzeug) wurde das Album Bridge over Toubled Water 1969 von Simon (Gitarre) & Garfunke aufgenommen und produziert. Unter dem Namen  „If I Could“ wurde diese Version der amerikanischen Folk-Band zu der Zeit das beliebteste Lied in Europa.